Achtung, Morgenland-Alarm!

Jan 5, 2022Kommentare0 Kommentare

Alle Jahre wieder besuchen uns am 6. Jänner die Heiligen Drei Könige, auch genannt die Weisen aus dem Morgenland. Bereitwillig öffnen wir ihnen die Tür, lauschen ihren Worten, lassen sie ihren Segenskleber anbringen und beschenken sie mit kleinen Aufmerksamkeiten. Natürlich nicht sie selbst, sondern ihre irdischen Vertreter:innen in Form der Sternsinger:innen.

Moment mal… Morgenland?!

Abgesehen davon, wie viele Interpretationen und Legenden sich um ihre Person ranken (ein sehr guter Beitrag dazu ist  2008 in der Welt erschienen), eines ist gewiss: Sie waren Sterndeuter und kamen aus dem Osten – und zwar wohlgemerkt aus dem Osten von Betlehem! Ihre genaue Route ist nicht bekannt, Gelehrte verorten ihre Herkunft entweder in Babylon (im heutigen Irak) oder in Palmyra (heutiges Syrien).

Bei wem klingelt da was: IRAK und SYRIEN?! Das sind doch zwei der Länder, die seit Jahren an der Spitze der Herkunftsstaaten von Asylwerber:innen in Österreich liegen!

Wie würden sie heute aussehen?

Also, liebe Christinnen und Christen: Würden die Weisen aus dem Morgenland heute an unsere Tür klopfen, wie würden sie denn aussehen? Vermutlich wie die vielen gesichts- und namenlosen Männer auf den Bildern, die uns die Medien seit Jahren in der Berichterstattung über Flucht und Migration zeigen. Und – würdet ihr ihnen die Tür öffnen? Eine eher rhetorische Frage, denn die österreichische Flüchtlingspolitik beweist das Gegenteil.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Auch das liebe blondgelockte Jesuskind, das im verschneiten Stall friert, hat vermutlich ganz anders ausgesehen, als wir es gewohnt sind! Und es hatte Migrationshintergrund, eine Fluchtgeschichte und Diskriminierungserfahrungen – so wie es viele Nachfahren der Weisen aus dem Morgenland bei uns erleben.

Ich würde mir wünschen, dass ihr auch daran denkt, wenn ihr morgen den Sternsinger:innen die Tür öffnet!

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