„Ich muss das Fenster aufreißen, mir ist schon wieder viel zu heiß!“ habe ich die Worte der Kollegin noch im Ohr. An die verständnislosen Blicke rundum kann ich mich ebenso erinnern: Wieso, so warm ist es doch gar nicht?
Natürlich ist Kälte- und Wärme-Empfinden etwas sehr Subjektives. Doch speziell in den Wechseljahren gehören Hitzewallungen zu den Top fünf Symptomen – ebenso wie Gereiztheit, Erschöpfung, depressive Verstimmung und Schlafstörungen.
Was das Thema Wechseljahresbeschwerden in der Arbeitswelt zu suchen hat?
Viel – denn immerhin berichten zahlreiche Frauen, dass sie sich aufgrund dessen weniger gut konzentrieren können, gestresster fühlen, ungeduldiger sind und sich weniger selbstbewusst empfinden. Nur 10 Prozent der Befragten meinen, dass die Wechseljahre ihre Arbeit nicht beeinflusst haben. Das hat die Studie MenoSupportAustria 2024 herausgefunden.
Die Folge davon? Arbeitsstunden werden reduziert, Auszeiten genommen, interessante Projekte abgegeben, Beförderungen ausgeschlagen, Job gewechselt. Meist zum Nachteil der eigenen beruflichen Entwicklung. Und das in einer Zeit, in der man Frauen möglichst lang im Erwerbsleben halten möchte …
Die gute Nachricht: Unternehmen können viel dazu beitragen, Frauen in den Wechseljahren zu unterstützen. Zuerst einmal, indem sie das Thema enttabuisieren, eine offene Kommunikation dazu ermöglichen und Führungskräfte sensibilisieren. Und indem sie die Mitarbeiterinnen Arbeitszeit, -Ort und -Aufgaben möglichst flexibel gestalten lassen. Auch klimatisierte Arbeitsplätze oder die Einrichtung von Ruheräumen nennen die Befragten als hilfreiches Angebot.
Immerhin wünschen sich knapp 70 Prozent der Studien-Teilnehmerinnen, in der Arbeit offen und ohne Angst vor Benachteiligung darüber sprechen zu können. Und mehr als die Hälfte wünscht sich konkrete Unterstützung seitens des Arbeitgebers. Hier setzen sogenannte „Caring Companies“ an: Sie möchten Mitarbeitenden in all ihren Lebensphasen bedürfnisgerechte Arbeitsbedingungen bieten. Nur zu! Denn ob aus den Wechseljahren eine berufliche „Wechsel-Haft“ wird, entscheidet die Kultur des Unternehmens.
Dieser Text erschien als „Vielfaltskolumne“ in der Salzburger Straßenzeitung Apropos im April 2026. Foto von Guillermo Berlin: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-mit-stylischem-facher-in-buenos-aires-30935483/

