Nenn mich, wie du willst??!

Jan. 5, 2026Kommentare

Meine Mutter heißt Brigitta mit a – nicht Brigitte. Auch meine Großmutter war „so eine“: Hilda, nicht Hilde. Wir alle kennen vermutlich eine Anne mit e, einen Claus mit C, Katrins und Saras mit und ohne h.

Problem? Eigentlich nicht. Einmal klargestellt, wissen es die Leute und halten sich daran. Muss man allerdings dieselbe Person mehrmals daran erinnern, verstehe ich den Unmut manch unfreiwillig Umbenamste:r. Denn das Motto „Nenn mich, wie du willst“ gilt eher nur in bestimmten Kontexten. Den meisten Menschen ist es wichtig, ihren Namen korrekt geschrieben oder ausgesprochen zu hören.

Ein Salzburger Gemeinderat stellte kürzlich klar, dass er Tarik heißt und nicht Tarek. Für ihn sei es eine Frage des Respekts, sich zu bemühen, Namen richtig auszusprechen, nachzufragen und Korrekturen nicht als Unhöflichkeit zu empfinden.

Vielen sprach er damit aus der Seele. Vor allem Menschen mit „ungewöhnlichen“ oder nicht deutsch klingenden Namen machen immer wieder die Erfahrung, mit ihrem Wunsch nach richtiger Ansprache ignoriert zu werden. Oder – noch bequemer – sie bekommen einen Spitznamen verpasst, der einfacher zu merken ist. Ob ihnen das recht ist, fragt keiner. Wer sich dagegen wehrt, gilt schnell als humorlos oder empfindlich.

Andere – darunter ein Dietrich, ein Peter, ein Christian, eine Katrin – verstanden die Aufregung nicht. Sie hätten im Ausland Ähnliches mit ihrem Vor- oder Nachnamen erlebt und nicht als respektlos empfunden. Aber gilt der Vergleich Ausland versus Heimatland..?

Ich selbst habe es mit meinem internationalen Vornamen recht leicht. In Frankreich bin ich Monique, in vielen anderen Ländern Monica, und ich mag es bis heute, wie mein Name in anderen Sprachen klingt. So habe ich auch in meiner kurzen Lehrtätigkeit meine Schüler:innen „französisiert“ und „russifiziert“: Aus Johann wurde Jean, aus Stefan Stepan, aus Maria Mascha. Gefragt habe ich sie nicht – ich schloss einfach von mir auf sie. Bis mir eine Freundin sagte, sie würde das bei ihrem Sohn nicht wollen. Schließlich habe sie ihm bewusst diesen einen Namen gegeben, und niemand habe das Recht, ihn anders zu rufen.

Inzwischen frage ich nach, wie jemand genannt werden will. Und oft erfahre ich gerade bei fremd klingenden Namen wunderbare Geschichten über Bedeutung, Herkunft und Grund für diesen Namen. Da komme ich mir mit meinem „Du heißt Monika, weil uns das gefallen hat“ fast ein bisschen nichtssagend vor – und hoffe, dass bei der Bedeutung meines Namens (eine davon: „Die Einsame“) nomen NICHT omen ist.

Und wehe, es nennt mich wer „Fink“ statt Pink! Da werde ich ganz zwitschrig.

Dieser Text erschien als „Vielfaltskolumne“ in der Salzburger Straßenzeitung Apropos im Februar 20216. Foto von Gerd Altmann auf Pixabay

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