netflix Miniserie Stadtgeschichten

Mrz 3, 2021Bücher und Kunst0 Kommentare

Queere Protagonist:innen und Themen auf der Leinwand sind ja hierzulande noch eher die Seltenheit. Vor nicht einmal drei Wochen haben 185 Schauspieler:innen unter der Aufschrift „Wir sind schon da“ im Magazin der Süddeutschen Zeitung auf diesen Umstand hingewiesen und sich als lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär und trans* geoutet. Was sie erreichen wollen? Mehr Sichtbarkeit, Anerkennung und Diversität in Film, Fernsehen und Theater.

Queer Cinema auf Netflix

Netflix ist da schon einen großen Schritt weiter. Es gibt eine eigene Kategorie „Queer Cinema“, in der „homo- und bisexuelle sowie Transgender- und Queer-Storys gefeiert“ werden. Ganz schön viel Auswahl gibt es da, gut geclustert in Genres, in denen sich auch viele Eigenproduktionen befinden. In der Rubrik „an einem Wochenende ansehen“ stieß ich auf die Miniserie „Stadtgeschichten“. Naja, an einem Wochenende habe ich es zwar nicht geschafft, dazu war das Wetter zu schön 😉 Aber auch mit Unterbrechungen kippt man in die Story, die in San Francisco spielt.

Stadtgeschichten (2019)

Der Ort, wo alle Fäden der Handlung zusammenlaufen, ist die Barbary Lane 28 – ein imposantes, aber in die Jahre gekommenes Herrenhaus mit mehreren Wohnungen auf den Hügeln von San Francisco. Anna Madrigal hat es in den 1960er Jahren gekauft und zu einem offenen Haus für queere Menschen gemacht. Die Hauptcharaktere der Serie wohnen alle mit Anna in diesem Haus: Die queere 25-jährige Shawna, der schwule Mittfünfziger Michael, die Zwillinge Ani und Raven und der transsexuelle Jake mit seiner lesbischen (Ex-)Freundin Margot. Anlässlich ihres 90. Geburtstags lädt Anna die gesamte Community zu einer Party – dazu reist auch Shawnas Mutter Mary Ann aus Connecticut an, die zugunsten ihrer Fernsehkarriere vor über 20 Jahren aus San Francisco weggegangen und ihre damals zweijährige Tochter bei Vater Brian zurückgelassen hat.

In zehn Folgen erleben wir nun die verschiedensten Handlungsstränge mit, die immer wieder in der Barbary Lane und bei der gemeinsamen Liebe zu Anna zusammenlaufen: Michaels Beziehung zum viel jüngeren Ben; Shawnas Verlassenheit und Leere; Jakes Hadern mit der Erkenntnis, nicht mehr mit Margot zusammen sein zu können; Mary Anns Hin- und Hergerissenheit zwischen ihrem alten und jetzigem Leben; die Kunst- und Selbstinszinierungs-Projekte der Zwillinge; eine junge Filmemacherin, die eine Dokumentation über die Szene dreht und in die sich Shawna verliebt. Eine wichtige Rolle spielt auch das queer-feministische Lokal, in dem Shawna und Margot arbeiten und wo sich die Szene abends trifft. Es wird gelebt und gelitten und gelacht und geliebt – und das in den unterschiedlichsten Konstellationen.

Was plötzlich alles durcheinanderbringt: Anna verkündet aus heiterem Himmel, die Barbary Lane verkauft zu haben und in ein Altersheim zu gehen. Eine Entscheidung, die so gar nicht zu Anna passt, wie Mary Ann findet. Nach und nach erfährt man die verworrenen und dubiosen Hintergründe dieser Entscheidung und es kommt zum Showdown, bei dem der Startschuss zum Abbruch des Hauses erfolgen soll. Also Nervenkitzel bis zum Schluss.

50 Jahre LGBTQ Geschichte

Was für mich spannend war: Es ist wirklich gut gelungen, die verschiedenen Generationen und ihre Herausforderungen – aber auch Errungenschaften – mit dem Thema LGBTQ aufzuzeigen. War Anna in den 1960er Jahren als Transfrau quasi illegal und musste miterleben, wie ihre Freundinnen von der Polizei verfolgt, misshandelt und ausgebeutet wurden, war für Michael ein paar Jahrzehnte später AIDS die große Bedrohung, die vielen seiner Freunde das Leben kostete. Ben wiederum erlebt als schwule Person of Color mehrfache Diskriminierung und fühlt sich in Gesellschaft der älteren, homosexuellen, weißen Männer unwohl und unverstanden. Doch man sieht auch, was eine Integrationsfigur wie Anna Madrigal bewirken kann, bei der alle willkommen sind und die allen ein Vorbild ist.

Also – wenn ihr mal ein Wochenende Zeit habt: Eintauchen in die Stadtgeschichten!

 

Was sagst du dazu? 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren

60 Jahre und kein bisschen weise…

60 Jahre und kein bisschen weise…

Unlängst habe ich über hier geborene staatenlose Kinder geschrieben - nicht wissend, dass sich genau heute das internationale Übereinkommen zur Verminderung von Staatenlosigkeit...

mehr lesen