Wann haben Sie das letzte Mal ein „PSST!“ im Büro gehört? Vielleicht ein verschwörerisches „PSST!“, weil man gerade über eine Person spricht, die just um die Ecke biegt? Oder ein gebieterisches „PSST!“, weil man die falsche Frage gestellt, eine Entscheidung oder die Kompetenz einer Führungskraft angezweifelt hat? Oder ein entsetztes „PSST!“, weil andere nicht wollen, dass offiziell bekannt wird, worüber eh schon alle munkeln…?
Unter dem Motto „Worüber niemand gerne spricht“ haben sich auf Einladung der UBIT Salzburg Anfang Oktober über zweihundert Personen aus Wirtschaft und Beratungswelt zu Tabus in Unternehmen ausgetauscht: Was sind die Themen, die unter den Teppich gekehrt werden? Und wie am besten umgehen damit?
Hier ein paar Zitate der Teilnehmenden:
„Ich finde es entsetzlich, dass Unternehmen nach wie vor auf Strukturen und Prozesse setzen und das Thema der Beziehungsorientierung immer noch sträflich vernachlässigen.“
„Was aus meiner Sicht angesprochen gehört, sind schlechte Witze und diskriminierende Aussagen, egal in welchem Kontext.“
„Führungskräfte wie Mitarbeitende haben Angst, Fehler zu machen, Angst davor, schuldig zu sein und dann an den Pranger gestellt zu werden.“
„Ich finde, dass am Arbeitsplatz viel zu wenig über die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden gesprochen wird.“
„Mobbing, Alkoholsucht, Dreiecksverhältnisse, sexuelle Beziehungen im Arbeitsalltag – all das sind Dinge, die Führungskräfte nicht ansprechen.“
Das Fazit der Anwesenden? Schweigen und Aussitzen hat noch nie zur Lösung geführt, weil dann Konflikte irgendwann eskalieren. Machen wir aus dem „PSST!“ ein: „Lass uns darüber reden!“. Und wer sich selber nicht (zu)traut, Themen anzusprechen, kann sich immer noch Expertise von außen holen.
Dieser Text erschien als „Vielfaltskolumne“ in der Salzburger Straßenzeitung Apropos im Dezember 2025. Bild von www.pexels.com: pexels-olly-3764395.


