Das verhängnisvolle „R“

Aug 5, 2020Geschichten vom Holzweg0 Kommentare

An diese russische Holzweg-Geschichte hat mich meine Studienfreundin Julia erinnert, mit der ich anno 1996 (!) im Studentenheim in Moskau weilte. Dazu muss aber zuvor noch eine Person vorgestellt werden, ohne die im russischen Studentenheim aber rein gar nix geht:

Die Dezhurnaja

Man stelle sich einen typischen Plattenbau vor, in unserem Fall 13 Stockwerke hoch, ich weiß nicht, wie viele Wohneinheiten. Jedenfalls teilen sich immer fünf Student:innen eine Einheit bestehend aus einem Zweibett-Zimmer, einem Dreibett-Zimmer und einem Bad. Der Kühlschrank steht im Vorraum – und das war’s dann auch schon. Pro Gang gibt es eine Gemeinschaftsküche (samt Abfallschacht, der permanent überfüllt ist, aber das nur am Rande 😉 ) und – GAAAANZ wichtig – die Dezhurnaja.

Die Dezhurnaja ist quasi die Aufseherin, Hüterin des Telefons, Ansprechperson für Anliegen aller Art sowie Anstandswauwau (und wahrscheinlich auch Informantin wohin auch immer…). Man kann sich vorstellen, dass das Leben unheimlich viel leichter war, wenn man sich mit der Dezhurnaja gut verstand. Und man kann sich weiters vorstellen, dass sie kleinen Aufmerksamkeiten der ausländischen Studierenden nicht abgeneigt war…

Und jetzt kommt das „r“ ins Spiel

Da unser Studentenheim ausschließlich ausländische Studierende beherbergte, waren die Russisch-Kenntnisse speziell der Neu-Angekommenen sehr unterschiedlich… (Hier wäre übrigens Platz zu erwähnen, dass ich Dank der Latino-Community im Studentenheim mein Spanisch auffrisieren und mir Salsa-Kenntnisse aneignen konnte – aber auch das nur am Rande 😉 ).

Zum weiteren Verlauf sollte man vielleicht auch noch wissen, dass es zwei russische Wörter gibt, die einander zum Verwechseln ähnlich sind – bis auf besagtes „r“: Nämlich podushka (Kopfpolster) und podrushka (Freundin). Nun, die Mähr besagt, dass ein neu angekommener Student völlig ratlos bei der Dezhurnaja auftauchte und immer wieder meinte: „In meinem Bett ist keine podrushka!“.

Welches Gesicht die Dezhurnaja dabei gemacht hat und was er schlussendlich tatsächlich erhalten hat, ist leider nicht überliefert…!

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